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Die Gläserne Scheune – mitten im Bayerischen Wald

gläserne scheuneMan muss sie schon ein bisschen suchen, wenn man sie sehen will – die Gläserne Scheune. Sie liegt fünf Kilometer nordöstlich von Viechtach im Herzen des Bayerischen Waldes. Sobald sie der Besucher erreicht hat, wird er mit dem Blick auf ein außergewöhnliches Gebäude belohnt.

Ursprünglich war dies eine Scheune, die im ersten Moment mit ihren rundlichen Außenmauern und eigenwilligen Fenstern kaum zu erkennen ist. Zudem begrenzt im Vordergrund ein dreistöckiger Turm das Gebäude, auf dem ein Gesicht mit Hut thront. Spätestens jetzt wird die Neugierde geweckt, man will unbedingt wissen, wie dieses Kunstobjekt von innen aussieht, das der Künstler Rudolf Schmid mit seiner Familie in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen hat.

Gleich im Eingangsbereich wandert der Blick nach oben zu einer Spiegeldecke, die sich bis in die Galerie hineinzieht. Dort werden Bilder und Glasobjekte ausgestellt und zum Verkauf angeboten, die in der eigenen Werkstatt gestaltet wurden.

Auch die erste von sechs Glaswänden, wegen denen die Scheune hauptsächlich berühmt ist, kann man bereits im Erdgeschoss bestaunen. Sie zieht sich über zwei Stockwerke bis unters Dach hinauf und zeigt die Moritat des Räubers Heigl. Dieser Mann war vor rund 150 Jahren im Bayerwald unterwegs und hielt Gendarmerie und Richter auf Trab. Mit Silikatfarben in erdigen Tönen malte Rudolf Schmid diese Geschichte auf Glas und setzte damit dem Räuber ein schönes Denkmal.

Folgt man nun der Treppe durch das frühere Silo hinauf in den ersten Stock, steht man schon vor den nächsten großen Kunstwerken, die hier in mühsamer Arbeit geschaffen wurden. Die „Rauhnacht“ war für Schmid das Thema, das er eindrucksvoll in ein dreißig Zentner schweres Holztor geschnitzt hat.  Er zeichnete das Thema zudem im Februar/März 2008 mit Bleistift auf Glas und setzte es zu einer zwölf Quadratmeter großen Wand zusammen. Alte Erzählungen von schaurigen Druden und Teufeln, der „wilden Jagd“, bösen Eulen und über den Himmel galoppierenden Pferden wurden hier bildlich umgesetzt.

Öffnet man die Tür zur Tenne, wird man von der nächsten Glaswand in Staunen versetzt, die am gegenüberliegenden Giebel sieben Meter in die Höhe ragt und zehn Meter breit ist. Das war die erste Wand, die Schmid hier 1980 – 83 aufbaute. Damals musste er erst eine Holzkonstruktion aufzimmern, bevor er die vielen Glasscheiben mit der Legende des „Waldpropheten Mühlhiasl“ bemalen und einfügen konnte. Sowohl das Leben als auch die Prophezeiungen des Sehers hat er nach dem Roman von Paul Friedl dargestellt. Der Betrachter kann sich dazu die Erklärung per Tonband anhören und erfährt Wissenswertes über den Propheten.

Links daneben, an der Ostseite der Scheune, befindet sich eine weitere Glaswand, die dem „Hl. Franz von Assisi“ gewidmet ist. Sie zeigt die Geschichte, als der Heilige den Wolf von Gubbio gezähmt hatte. Im krassen Gegensatz zu der „Mühlhiasl-Wand“, wurde diese Arbeit nicht mit kräftigen Silikatfarben, sondern mit zartem Bleistift und Kreide auf Glas angefertigt. Diese Technik wurde übrigens von Schmid entwickelt und kommt nur in seiner Familie erfolgreich zur Anwendung.

Sobald man um die nächste Ecke in den Anbau der Scheune biegt, wird der Besucher erneut mit einer 9 x 10 Meter großen Glaswand beeindruckt, die eine symbolische Darstellung der Mühlhiasl-Prophezeiungen zeigt. Nicht minder faszinierend ragt sie über die Gästescharen hinweg. In diesem Gebäude begibt man sich über eine Treppe mit einem überaus eigenwillig beschnitzten Holzgeländer auf einen Innenbalkon, um sozusagen „Auge in Auge“ der auf Glas gemalten Sagengestalt gegenüber zu stehen.
Geht man unter diesem Balkon hindurch, erreicht man das sechste Glaswand-Spektakel in dieser Scheune.

Langsam nähert man sich dem Ende der Besichtigungstour, aber ein Blick in das Innere des Turms, auf dem außen der Kopf gemauert wurde, gehört zum Pflichtprogramm. Hier befindet sich nämlich der „kleine Thronsaal“, bestehend aus einem Thron und einer Spiegeldecke darüber. Der König, der hier regiert, ist der Künstler selbst. Wie er sich seinen Beinamen „der König von Rauhbühl“ verdiente, kann man in seiner gleichnamigen Biographie nachlesen.
Der Weg führt an einem letzten großen Meisterwerk, einer Schnitzerei, vorbei, die die Prophezeiungen des Bayerwald-Propheten erneut aufgreifen und in einer völlig anderen Dimension wiedergeben.

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