Altes Glashandwerk
Hier entlang zur Glassstraße! Gehen Sie auf Entdeckungsreise, um die Handwerker beim Glasblasen zu beobachten und mehr über die Glaskunst zu erfahren. Schlendern Sie durch glas-blühenden Gärten oder erwerben Sie ein dekoratives Mitbringsel. Der OTV hat interessante Stationen der Glasstraße für Sie zusammengestellt:
Frühlingsträume ganz aus Glas: Blau-gelbe Schmetterlinge schaukeln im Wind. Feurig rot-orange Fantasiepflanzen züngeln gen Himmel, zwischen den ersten zartgrünen Gräsern glitzern gläserne Kugeln in allen Farben des Regenbogens. Die Kristallgärten in Arnbruck und Bodenmais sind wie geschaffen für eine Frühlingstraumreise und Inspiration für die grüne Oase daheim. Doch die glas-blühenden Gärten sind nicht die einzigen „Pilgerstätten“ des Glases in der Region: Wie Perlen an einer Schnur reihen sich Glasgalerien, Glashütten, Glaskunstwerke und Glasmuseen entlang der ostbayerischen Glasstraße, die sich von Neustadt an der Waldnaab bis Passau durch den Bayerischen Wald und Oberpfälzer Wald schlängelt.
Wer etwas Einmaliges aus der Region wie ein elegantes Gläserset, eine dekorative Vase oder eine schöne Lampe als Mitbringsel mit nach Hause nehmen will, wird in der Heimat des Glases ebenso fündig wie diejenigen, die sich vor allem für die ästhetischen und künstlerischen Ausprägungen oder die Geschichte der uralten Handwerkskunst interessieren. In vielen Glashütten lässt sich diese Kunst des Glasblasens, -schleifens und -gravierens noch heute beobachten.
Bei Glasscherben Köck in St. Oswald-Riedlhütte kann man bei den Hüttenzanglabenden sogar den „Gesellenbrief“ als Glasmacher erlangen. Von der bunt schillernden Glaskugel bis zum kunstvollen Lampenglas entstehen in Ateliers und Hütten Hunderte verschiedener Produkte, von denen keines wie das andere ist. Jede Glashütte hat ihre Besonderheiten, jeder Glaskünstler seinen eigenen Stil.
Weinkenner zieht es nach Zwiesel, zur Glashütte Eisch. Denn hier gibt es etwas weltweit Einmaliges, das „atmende Glas“ – breathable Glas –, in dem Wein sein volles Bouquet bereits nach wenigen Minuten erreicht, ohne dass der Rebensaft seine ursprüngliche Natur verändert. [Anm. der Redaktion: Vielleicht interessiert Sie auch dieser Artikel über Geschenke, in welchem Sie mehr über die Glashütte Eisch und ihre Produkte erfahren.]
Die ausgefallensten und kunstvollsten Glaspokale gibt es bei Joska Kristall. Internationale Sieger schmücken sich mit den Trophäen des Bodenmaiser Unternehmens. Als „Mekka des Glases“ bezeichnet sich die Galerie Herrmann in Drachselsried. Sie präsentiert die gelungensten Kreationen von 150 Künstler aus 30 Nationen. Ebenfalls in Drachselsried hat die gläserne Tierwelt von Glaskünstler Andreas Fuchs ihre Heimat. Zauberhafte Tier- und Fabelwesen werden unter seiner Hand aus der Flamme geboren.
Glas ist etwas, das Himmel und Erde verbindet. Der Glaskünstler Hubert Hödl drückt dies nicht zuletzt durch die Wahl seiner Arbeitsstätte aus. In der alten Kirche in Lohberg von 1698 fertigt er außergewöhnliche Unikate. Dass sich überirdischer Glanz und irdisches Verlangen trotzdem gut vertragen, beweist sein Künstlerkollege Ralf Wenzel. Im Berghof mit Galerie Gibacht am Fuße des knapp 934 Meter hohen Gibacht bei Waldmünchen vereint er Glas, Kunst und Genuss. Besonderes Ambiente herrscht auch in der Gläsernen Scheune in Rauhbühl bei Viechtach, wo der mit dem Glasstraßenpreis ausgezeichnete Glasmaler Rudolf Schmid gläserne Geschichten in großem Format erzählt. Er realisierte auch die Idee eines „Gläsernen Waldes“, von Charly Rödl neben der Burgruine Weißenstein in Regen. Schon Tausende von Besuchern, darunter Prominenz wie Altbundeskanzler Helmut Kohl oder Carolin Reiber, gerieten beim Spaziergang durch das 2.000 Quadratmeter große Gelände mit den bis zu acht Meter hohen, grün, blau und braun schimmernden Bäumen ins Schwärmen. Besonders eindrucksvoll ist der „Gläserne Wald“ bei Nacht, wenn die in den Boden eingelassenen Lampen eine magische Stimmung verbreiten.
Zum Symbol des Friedens wird Glas dank Charly Rödl im Kurpark von Regen. Ein Faden aus Kristallglas schraubt sich aus der Erde und windet sich zu einem Knoten. Symbolisch verbindet sich hier Regen mit seinen Partnerstädten und somit allen Kontinenten. Weitere gläserne Zeichen an der Glasstraße setzen der 3,55 Meter hohe „Lebensbaum“ aus Glas und Stahl am Friedhofseingang von Schönsee – Symbol für menschliches Leben, oder der 1. gläserne Maibaum der Welt in Riedlhütte.
Glas ist im Bayerischen Wald und Oberpfälzer Wald einfach omnipräsent, auch in der Architektur. Das zeigt sich zum Beispiel in der gläsernen Kapelle, die in Zwiesel steht. Oder in den gläsernen Buswartehäuschen, die der Architekt Andreas Schmöller auf einem alten Sportgelände in Fürstenzell aufgestellt hat. Meisterhafte Architektur und Gestaltung mit jahrhundertealter Glashistorie vereint das Glasmuseum Frauenau. Nach seinem grandiosen Umbau 2006 gilt es als eines der bedeutendsten Museen seiner Art. Das Glasmuseum Passau indes beherbergt die weltweit größte Sammlung zum „Böhmischen Glas“ mit über 30.000 Gläsern.
Alte Glasschätze lassen sich aber auch zu Fuß, in freier Natur entdecken. Etwa auf dem Waldglashüttenweg in Grainet, der zu fünf ehemaligen Glashütten-Standorten führt. Oder auf dem Glasschleiferweg in der Oberpfalz, der 78 Kilometer weit durch eine Region führt, in der das Gewerbe der Glasschleifer und –polierer im 18. und 19. Jahrhundert besondere Bedeutung hatte.
Historische Glashüttenwege führen auch in Spiegelau zu ehemaligen Glashüttenstandorten. Zugleich ist die Stadt Etappenort am Gläsernen Steig. Auf ihm kann man am Grenzkamm des Bayerischen Waldes entlang 99 Kilometer weit in sechs Tagesetappen – auch mit Gepäcktransport – wandern und dabei auf Schritt und Tritt gläsernen Kunstwerken, Glasmachern und wunderschönen Glasprodukten begegnen. Wer nach dem Tag dann auch die Nacht zum Glaserlebnis machen will, bezieht am besten in Zwiesel Quartier. Dort steht das erste und einzige Glashotel der Welt.


Ramona Hapke betreut als PR-Managerin